Walfried Schubert

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Bischöfliche Marienschule Mönchengladbach

 

Der Text ist eine Argumentationsskizze (für einen kurzen Vortrag), in dem anhand einiger Thesen Gründe „pro Latein“ aufgezeigt werden.

 

 

Warum und wozu Latein?

 

Latein als tote Sprache (?)

In der Tat ist Latein heute nicht mehr eine Verkehrssprache.

Latein „lebt“ heute auch noch, denn viele Menschen lernen die lateinische Sprache und mit ihr die römische Kultur und Welt kennen. Insofern ist Latein sogar sehr lebendig!

 

 

 

1. Argumentation Bereich „Sprache“

 

 

Latein ist keine Kommunikations-, sondern eine Reflexionssprache.

 

nicht in der Sprache, sondern über Sprache reden!

 

d.h. im Lateinunterricht wird über Sprache und ihre Gesetze und Regeln nachgedacht (> Grammatik)

 

Die Schüler werden eingeführt in das System und die Gesetzmäßigkeit von Sprache

 

Sprache als System:

 

Wie funktioniert Sprache?

Was macht einen Satz aus? 

Welche Beziehungen haben Wörter in einem Satz, so dass daraus ein Satz entsteht?

 

Beispiel: Bilde aus den Wörter „Peter, Sabine, lieben“ einen Satz:

   > Satz „Peter liebt Sabine.“     Wer liebt wen? (Wegen der gewohnten Wortstellung [Subjekt am Anfang] versteht man den Sachverhalt, dass Peter in Sabine verliebt ist. Die Wortstellung gilt im Deutschen aber nicht immer als eindeutige Regel, denn der folgende Satz ist inhaltlich auch verständlich: „Honig lieben die Bären“.)

Deutsche Sätze können sogar schwer verständlich werden und nur mit entsprechendem Hintergrundwissen zu „entschlüsseln“ sein. In einer Zeitung stand während des Wahlkampfes um die amerikanische Präsidentschaft der Satz:

Putin ist Bush lieber als Kerry.

 

 Die fehlende Eindeutigkeit der Beziehung zwischen Wortstellung und Satzteil, das Fehlen der Präpositionen und die Tatsache, dass die Namen nicht in verschiedenen Kasus die gleiche Form haben, irritieren den Leser: Wer bevorzugt wen? Es geht darum, wer (Nominativ) als amerikanischer Präsident dem russischen Präsidenten Putin (Dativ) lieber im Amt ist. Übrigens könnte auch der folgende Satz gleich verstanden werden: Bush (Nominativ) ist Putin (Dativ) lieber als Kerry (Nominativ).

 

Das Lateinische ist wegen der Formenvielfalt eindeutig.

 

Als diene der Satz „Peter liebt Sabine“:

 

 

   >  lat. „Petrus Sabinam amat.“     

 

     

 

Auf die Endung kommt es an

 

Jeder Satz ist ein Puzzle von Wörtern , die durch grammatische Regeln zusammenhängen

 

> Erziehung zu genauem Hinschauen und Genauigkeit

 

> mikroskopisches Lesen (Maier)

 

 

„Latein ist die Mucki-Bude für das Gehirn“

 

 

 

Elementares Rüstzeug für das Lernen von Sprachen

 

 

Durch das Lateinische lernt man genauer die eigene Sprache verstehen

 

> muttersprachliche Kompetenz + Genauigkeit im Ausdruck

 

Dauerndes Bemühen: Wie kann ich das, was im lateinischen Satz steht, möglichst gut und genau ins Deutsche übersetzen?

 

deshalb:

Unterricht nicht in der Fremdsprache, sondern in der eigenen Sprache

 

> Schulung der Ausdrucksfähigkeit

 

 

Die Aussprache des Lateinischen ist äußerst einfach:

Beispiel: rusticus, amare, turris, consul, forum, mensa, aula

 

 

Bezug zu vielen Fremdwörtern

Latein als Muttersprache der romanischen Sprachen



2. Argumentation Bereich „Römische/Antike Welt“


Latein ist der Schlüssel zur antiken Welt und der

antiken und abendländischen Kultur

 

 

Bildung als Erweiterung des geistigen Horizonts der Gegenwart

 

Quellen und Wurzeln des abendländischen Denkens und Lebens kennenlernen

 

Latein als „Breitband-Zugang“ zu unserer Kultur

 

die Antike bietet viel Bekanntes, aber auch viel Fremdes (dann ist es eine „Gegenwelt“)

 

Bekanntes: (z.B.) Schrift, Schule, Recht, Verwaltung, Architektur, im Rheinland:  viele römische Reste in heutigen Städten

 

Fremdes: (z.B.) Götterwelt /Religion, Sklaverei, Alltagsleben

 

 

Die antiken Texte gehen auch uns heutige Menschen existentiell an:

Lektürethemen der Oberstufe: (z.B.)

- Was ist die beste Staatsform?

- Politisches Engagement - ja oder nein?

- Das Wort als Waffe (Rhetorik)

- Wie kann man ein glückliches Leben erreichen? (Philosophie)

- Imperialismus und Imperialismuskritik

- Ideologisierung der Macht; Sendungsbewusstsein

- Der Mensch und seine Alltag

- Liebesdichtung