Die Wahrheit "durch die Blume sagen"

Die Menschen können oft die Wahrheit nicht ertragen und wollen sie nicht hören. Da die Wahrheit dazu für den Autor häufig auch gefährlich sein kann, wird sie häufig durch Fabeln ausgedrückt. So wird der Leser nicht persönlich angegriffen, weil die Menschen von Tieren mit deren Charakteren ersetzt werden und somit nicht direkt kritisiert werden.

Die Fabel ist somit ein gutes Mittel im politischen, sozialen und religiösen Kampf. Die Autoren können Wahrheiten ausdrücken, die sie normalerweise offen nicht sagen könnten. Gleichzeitig wird der Autor geschützt, da er andernfalls von den Betroffenen angegriffen werden könnte.

 

Martin Luther  

Über die Fabel 

Alle Welt hasset die Wahrheit, wenn sie einen trifft.  
Darum haben weise hohe Leute die Fabeln erdichtet und lassen ein Tier mit dem anderen reden, als wollten sie sagen: Wohlan, es will niemand die Wahrheit hören noch leiden, und man kann doch der Wahrheit nicht entbehren, so wollen wir sie schmücken und unter einer lustigen Lügenfarbe und lieblichen Fabeln kleiden; und weil man sie nicht will hören aus Menschenmund, daß man sie doch höre aus Tier- und Bestienmund.  
So geschieht's denn, wenn man die Fabeln liest daß ein Tier dem andern, ein Wolf dem andern die Wahrheit sagt, ja zuweilen der gemalte Wolf oder Bär oder Löwe im Buch dem rechten zweifüßigen Wolf und Löwen einen guten Text heimlich liest, den ihm sonst kein Prediger, Freund noch Feind legen dürfte. 

Katrin H., Eva O.

(Quelle: s. "Quellen und Links")