Typische Tiere in den Fabeln Die Anzahl der Akteure Neben Pflanzen und unbelebten Gegenständen spielen vor allem die Tiere eine wichtige Rolle in der Fabel. Typische und häufig auftretende Fabeltiere sind der Löwe, der Fuchs, der Wolf, der Esel, der Hase und der Rabe. Dagegen treten das Lamm, die Maus, der Frosch, der Igel, der Ochse oder die Schlange seltener auf. Normalerweise findet man in der Fabel Tiere aus unserer näheren Umgebung, also solche, die uns Menschen aus durch ihr natürliches und typisches Verhalten vertraut sind. In einer Fabel einer Fabel stehen sich meistens zwei
Tiere gegenüber (z.B. "Frosch und Ochse", "Fuchs und
Rabe"; seltener zwei Gruppen oder ein Tier und eine Gruppe (z.B.
"Kuh, Ziege, Schaf und Löwe", I 5). Bei den meisten Fabeln
reichen zwei Figuren aus, um die Aussageabsicht der Fabel klar
herauszustellen. Wenn jedoch mehrere Tiere auftreten, werden diese in
zwei Gruppen unterteilt, sodass sich im Endeffekt wieder nur zwei
Parteien gegenüberstehen. So agieren in Aesops Fabel von Maus und
Frosch zunächst nur Maus und Frosch allein. Sobald der Habicht in das
Geschehen eingreift, werden die beiden Kontrahenten zur Einheit, indem
sie aneinandergebunden das gleiche Schicksal erleiden. Die Maus und der Frosch Eine Maus schloss zu ihrem Verderben mit einem Frosche Freundschaft und lud ihn zum Mahle ein. Der Frosch band den Fuß der Maus an seinen eigenen an, und so gingen sie zuerst zu einem Orte, wo viele Speisen vorhanden waren. Der Frosch stillte hier seinen Hunger und beschloss, die Maus, da er ihr gutes Leben beneidete, zu verderben. Als sie bald darauf an den Rand eines Sees kamen, zog er sie in das tiefe Wasser. Die unglückliche Maus kam im Wasser um und schwamm in demselben, an den Fuß des Frosches angebunden, umher; doch ein Taubenfalke erblickte die Maus und fasste sie mit seinen Krallen. Da sich der Frosch nicht losmachen konnte, entführte er ihn gleichfalls in die Luft, wo er zuerst die Maus und dann jenen selbst verspeiste. Auch ein Toter ist imstande, das an ihm begangene Unrecht zu rächen, denn die Gottheit, die alles erblickt, teilt jedem sein gerechtes Schicksal zu.
Die Charakteristiken der Fabeltiere Die typische Charakterisierung eines Tieres konnte
bereits in der Meinung des Volkes vorhanden sein, bevor dieses als
Vertreter eines bestimmten Charakters in der Fabeln verwendet worden
war. Es ist aber auch denkbar, dass manche Tiere ihre typische
Verhaltensweisen erst durch die Verwendung in einer Fabel bekamen, und
sich diese im Laufe der Zeit noch weiter entwickelt haben. Wir haben eine bestimmte Vorstellung vom Verhalten
des Fuchses, weil er stets als der Schlaue erscheint und dies von den
Dichtern immer hervorgehoben wurde. Entsprechend gilt z.B. für den
Esel, der das Törichte, Naive und Sture verkörpert und für das Lamm
als Zeichen der Unschuld und Wehrlosigkeit. Durch diese stets wiederkehrende typische Gestaltung der Fabeltiere gewinnt die Fabel ihren festen Bestand an Figuren. Treffen in einer Fabel z. B. der gefräßige Wolf und der dumme Esel zusammen, dann weist diese Zusammenstellung der Figuren schon auf die Art der Handlung hin. Die
typischen Eigenschaften, die den Tieren in der Fabeldichtung zugeteilt
werden, findet man auch in Sprichwörtern und Redensarten wieder. Mit
den biologischen Eigenarten der Tiere brauchen sie jedoch nicht überein
zu stimmen, denn die Fabeltiere sind gedankliche Schöpfungen des
Menschen und die Eigenschaften werden den Tieren vom Menschen
zugeschrieben. Die Übertragung menschlicher Eigenschaften auf die
Fabeltiere nennt man Personifizierung. Das bedeutet, dass die Tiere
stellvertretend für einen bestimmten Typ Mensch stehen. Die
Personifizierung der Fabeltiere In
der Fabel sprechen und handeln die Tiere wie Menschen. Erst durch die völlige
Gleichstellung eines Tieres und eines Menschen in der Fabel können die
Tiere ihre Aufgabe erfüllen: Sie werden Person, d. h. zu einem Wesen,
das Verantwortung für sein Handeln trägt, das schuldig wird und dafür
büßen muss oder unschuldig ein ungerechtes Schicksal erleidet. Die
Vermenschlichung ist somit ein weiteres typisches und wesentliches
Merkmal der Fabel. In der Fabel wird das typisch Menschliche auf ein
bestimmtes Tier übertragen und somit werden seine tierischen
Eigenschaften entweder erweitert oder neue menschliche hinzugefügt. Mirjam B., Franziska S. (Quelle: s. "Quellen und Links") |