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Begriff, Charakteristika und Gattungsgeschichte Der Begriff „Fabel" geht auf das lateinische Wort "fabula" (=Geschichte, Erzählung, Gespräch) zurück und bezeichnet heute die typische Art der Tierdichtung in Vers oder Prosa, die eine allgemein anerkannte Wahrheit, einen moralischen Lehrsatz oder eine praktische Lebensweisheit anhand eines pointierten, doch analogen Beispiels in uneigentlicher Darstellung veranschaulicht und besonders durch die Übertragung menschlicher Verhaltensweisen, sozialer Zustände oder politischer Vorgänge auf die belebte oder unbelebte Natur witzig-satirische oder moralisch-belehrende Effekte erzielt." (zitiert nach www.udoklinger.de/Fabeln/Inhalt2.htm; dort auch der Verweis auf: Gero von Wilpert, Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart)
Ein typisches Beispiel für eine Fabel: Der
Esel und der Wolf (Gotthold Ephraim Lessing)
Udo Klingers prägnante Zusammenstellung der Charakteristika dieser typischen Fabel sollen hier zitiert werden (www.udoklinger.de/Fabeln/Inhalt2.htm): "Dieses Beispiel enthält alle kennzeichnenden Strukturelemente und Gestaltungsprinzipien einer typischen Fabel : - Tiere als Akteure- die Typisierung der Fabelfiguren (der böse, hinterlistige Wolf < > der einfältige Esel) - das Prinzip der polaren Gegensetzung- die Zeit- und Ortlosigkeit - der pointierte Schluß - die sprachliche Kürze und Prägnanz - die Dreigliedrigkeit - den geringstmöglichen Umfang - die Verbindung von erzählerischen und dramatischen Elementen - der Wirklichkeitsbezug - die versteckte Aussageabsicht - die Existenz- und Gesellschaftskritik"
Gattungsgeschichte
(Valentin M., Christoph S.;
Quelle s. "Quellen und Links") Der Ursprung der Fabel ist ungewiss. Einiges deutet darauf hin ,dass die Fabel aus Ägypten und Babylon kommt . In der Fachliteratur werden aber auch häufig Indien und Griechenland genannt. Es kann aber auch sein ,dass die Fabel in verschiedenen Ländern unabhängig voneinander entstanden ist. Das Hauptthema der Fabel „Reiche gegen Arme“ war schon damals in jedem Land vertreten. >Die
ersten überlieferten Fabeln stammen von Hesoid und Archilochos (beide
um 650 v. Chr.) , jedoch die bekanntesten Überlieferer von Fabeln waren
Aesop und Phaedrus. Aesop hat auch als erster frühere Texte
zusammengefasst. Aesops Fabeln (zuerst nicht in Versform ) wurden von
Babrios in Versform umgeschrieben. Im
Mittelalter wurden die Fabeln in Klostern als Lehrmittel benutzt und
erhalten. Die Fabel soll zum Denken anregen; man hielt für gut geeignet
für Predigten und Beispielsammlungen. Auch
bekannte Reformatoren wie Erasmus und Luther nutzten diese Eigenschaft
der Fabel als ein religiöses Kampfmittel. Die
Blütezeit der Fabel war in der Reformationszeit; im Barockzeitalter
wurde sie nicht mehr so
beachtet. Im 18. Jahrhundert findet die vorläufig letzte Blühtezeit
der Fabel statt , sie wurde als geistiges und politisches Aufklärungsmittel
genutzt. Dies war ein Grund für die französische Revolution; der
bekannte Dichter La Fontaine stammt aus dieser Zeit. In
dieser Zeit war es beliebt, Ironie in die Fabel miteinzuführen. Der
deutsche Dichter Lessing wandte sich dagegen und führte die alte
Tradition der Fabel fort. Auch
im 20. Jahrhundert ist die Fabel nicht tot. Sie ist heute eine Mischung
aus Tradition und Ironie. Gerade
in unserer durch Massenmedien aufgeklärten und emanzipierten
Gesellschaft erlebt die Fabel im Unterricht eine neue Renaissance, deren
Ursachen in einem „geschärften Bewußtsein für den Zusammenhang von
Text und Wirklichkeit" gesehen
wird. |